Tierärztin informiert aktive Bäuerinnen über Seuchenabwehr

Wer kennt sie nicht, die Schreckensmeldungen von der Tötung großer Tierbestände, weil eine Seuche um sich greift. Mit allen Mitteln wollen Tierärzte und Landwirte – aber auch der Staat – das verhindern. Welche Möglichkeiten es dafür gibt, das berichtete Dr. Marion Ahlers jüngst in ihrem Vortrag bei den aktiven Bäuerinnen in Bramstedt.

Zunächst gab die sehr kompetente Tierärztin und Ringleiterin einen breit gefächerten Überblick über viele Seuchen, von denen Geflügel, Schweine oder Rinder betroffen sein können. Dazu zählen u.a. die Geflügelpest, afrikanische Schweinepest oder Blauzunge – unter letzterer litten viele Milchviehhalter vor Kurzem.

Um sich vor einem Seucheneinbruch zu schützen, sollten Landwirte maximale Hygienevorkehrungen treffen. Schweinehalter müssen den Kontakt zu Wildschweinen verhindern, bei Auslauf- oder Freihaltung mit einer doppelten Umzäunung. Tote Wildschweine sind umgehend zu melden.

Generelle Schutzmaßnahmen sind: Desinfektion der Transportfahrzeuge, Schutzkleidung für Mitarbeiter, Keimtötung an Stiefeln oder Arbeitsschuhen, professionelle Schadnagerbekämpfung, offene Kommunikation mit Mitarbeitern, Familienangehörigen und Besuchern über Gefahren, zum Beispiel, wenn ausländische Angestellte aus dem Heimatland Naturalien wie Fleisch oder Wurst mitbringen. Darin steckt ein Übertragungsrisiko.

Speziell gegen die Einschleppung der Blauzunge hilft eine konsequente Fliegenbekämpfung, denn Gnitzen sind die Überträger der Viruserkrankung. Weiterer Vorteil der Prophylaxe: Die Tiere stehen weniger unter Stress, wenn sie nicht ständig von Fliegen umgeben sind.

Unbedingt rät Marion Ahlers dazu, die Hofstelle sauber zu halten, damit sich Gnitzen nicht in Matschlöchern, Tümpeln und Futterresthaufen ausbreiten. Ebenso sollte in kurzen Intervallen ausgemistet und der Misthaufen abgefahren werden. Einer Schwimmschicht auf der Gülle ist vorzubeugen. Ein befestigter, abgegrenzter und leicht zu reinigender Kadaverplatz hat sich zudem bewährt.

Hilfreich kann es sein, im Mineralfutter der Kühe den Gehalt an Vitamin E und Selen zu erhöhen. Die Tierärztin empfiehlt zudem die BTV 8-Impfung zum jetzigen Zeitpunkt.

Auch werden Biosicherheitspläne ab 1. Januar 2027 verpflichtend. Liegt nach diesem Stichtag ein solches Konzept im Seuchenfall nicht vor, kann die Tierseuchenkasse Entschädigungen bis zu 25 % kürzen. Dieser Plan gibt im besten Fall mit einer Zeichnung eine Übersicht über die Hofstelle, sodass sich zum Beispiel jeder Lieferant sogleich zurechtfindet und nicht auf der gesamten Betriebsstätte herumirrt. Tierärzte helfen bei dem Entwurf, die Kosten dafür sind über die Tierseuchenkasse abrechenbar.

Marion Ahlers ist überzeugt, dass sich mit vielen kleinen Stellschrauben viel für die Seuchenabwehr und Tiergesundheit erreichen lässt.