Mutige Bestatterin geht neue Wege – Ilka Jagels informiert aktive Bäuerinnen rund um das Lebensende

Offen zu sprechen über das Sterben, persönliche Wünsche für die eigene Beerdigung oder seelsorgerische Fürsorge war lange ein Tabu. Erst recht das Thema „selbstbestimmter Freitod“ im Kreise von Familie und vielleicht sogar Freunden.

Ilka Jagels, Gründerin des Bestattungsinstituts „trauerwerk“ in Bad Bederkesa traut sich. Offen, ehrlich und mit großer Herzenswärme hat sie den aktiven Bäuerinnen viele Informationen rund um das Lebensende vermittelt.

Ihr Vortrag in den wohlig eingerichteten Räumen des „trauerwerks“ reichte von den bekannten Bestattungsformen (wie Erd-, Feuer-, See- und Baumbestattung) bis hin zu neuen Trends wie dem Abschied im Ballon am Himmel. Letzteres ist jedoch in Deutschland nicht gestattet.

Erlaubt hingegen ist seit 2020 der „assistierte Suizid“, so heißt offiziell der begleitete Freitod. Sehr intensiv hat sich Ilka Jagels mit dieser Thematik beschäftigt, moralisch abgewogen und in sich hineingehorcht, eh sie sich entschloss, lebenssatten, sehr kranken und leidenden Menschen den letzten Wunsch zu erfüllen freiwillig zu gehen.

Selbstverständlich darf Ilka Jagels einen solchen Weg nicht allein bereiten, dazu gehören sehr viele Vorschriften und medizinische Voraussetzungen, die Anwesenheit eines Arztes, eines Juristen und später auch der Polizei.

Grundvoraussetzung ist der klare geistige Zustand des Sterbewilligen, so bleibt Dementen diese Wahl des Sterbens verwehrt, ebenso alleinig depressiven Menschen. Zudem ist die vorherige Zugehörigkeit zu einem entsprechenden Verein nötig, der aufklärt, arrangiert und für die Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen sorgt. Schlussendlich ist es der Sterbewillige selbst, der das „Rädchen“ der Infusion dreht, die ihn schließlich für immer in einem geschützten Raum einschlafen lässt.

Viel Empathie schwingt mit, wenn Ilka Jagels davon erzählt und ihre Zuhörerinnen für kurze Zeit in eine andere, aber überhaupt nicht beängstigende Welt eintauchen lässt. So zeichnet sie sich als eine sehr einfühlsame und gleichzeitig mutige Bestatterin aus, die mit alten tradierten Formen bricht.

Zum Abschluss ihres Vortrages lenkte Ilka Jagels das Thema auf das landwirtschaftliche Sorgentelefon (z.B. 04402/84488) und die Familienberatung in Niedersachsen (z.B. 0511/1241800). Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind mit Konflikten auf Höfen vertraut und darauf geschult in Gesprächen mit den Beteiligten Lösungen zu finden.